Empacher 2x – Bj. 1994 – Totalservice

Nachdem uns der LockDown seit Herbst 2020 wieder fest im Griff hat, begann ich mit dem Service der restlichen Rennboote unseres Vereines.  Im letzten Beitrag hatte ich bereits unseren Schellenbacher Doppelzweier vorgestellt.  Neben dem Standardservice an einem Doppelvierer, drei Stück Doppelzweier und noch drei Stück Einer kam zuletzt der Empacher Kombizweier FLORIAN aus dem Jahr 1994 an die Reihe.  Eine erste Bestandsaufnahme hatte ich bereits im Herbst getätigt, jedoch aufgrund der alleinigen Nutzung durch das Mastersteam keine Priorität gesetzt.

Aufgrund von einem großen Bootschaden am Heck im Jahr 2011 wurde bereits einmal das gesamte Boot lackiert.  Leider löst sich der Lack mit kleinen Blasen vom Bootskörper, dazu kommen noch einige Beschädigungen und Abnützungen und leider der Mißbrauch des 10er Gabelschlüssels oder das nicht Anziehen von lockeren Schrauben dazu.

Als erstes wieder der Abbau des Bootes, wobei gleich ein abgebrochener Bugspitz inklusive gestauchtem Verdeck zum Vorschein kam.  Ebenso beim Heck war ein Stück ausgebrochen.

Bei den Rollschienen wurde das Profil gewechselt, aber die darunter befindlichen Keile nicht angepasst, sodass die Schienen nicht richtig sitzen.

Des Stemmbretts Tod sind lockere Schrauben der Schuhplatte, welcher tiefe Löcher im Brett hinterlassen.

Das der Schlitten des Rollsitzes mit nur zwei Schrauben auch noch hielt, grenzt an ein Wunder, ganz mittig lief er dadurch auch nicht immer.

Die Waschbordkante war durch die vielen Transporte bereits bis zum Holz offen, ebenso die Spanten, welche durch die Gewalt der Schraubenschlüsseln zum Teil zersprengt waren.

Bei den Auslegern hat der Zahn der Zeit das Aluminium bereits schäbig aussehen lassen und die Druckstreben durch „Krebse“ waren in alle Richtungen verbogen.

Die meiste Arbeit lag wieder im Schleifen der beschädigten Teile und des Bootes selbst.  Manfred als Lackierprofi hatte hier den größten Teil der Arbeit zu leisten. Bei der letzten Reparatur wurde die Bootshaut durch Injektion von Epoxydharz wieder verstärkt, aber bei der Anwendung schlampig gearbeitet.  In jedem Bohrloch war ein Lufteinschluss, der letztendlich den Lack abblättern ließ.  Schleifen und Spachteln war hier angesagt.  Ebenso mussten die Auflager für die Ausleger wieder eben gefüllt und zum Lackieren vorbereitet werden.

Dazu wurden noch die Ausleger zum Glaskugelstrahlen gebracht, damit am Ende ein optisch ansprechendes Ergebnis bleibt.  Die Stemmbretter wurden überarbeitet, mit Carbon verstärkt und neu verbohrt.  Neue Schuhe mit den entsprechenden Druckplatten kamen wie neue Dollen, ebenfalls dazu.

Die Lackierung wurde in der pflegeleichten weißen Grundfarbe (Mercedesweiß) mit blauen Verdeckspitzen gewählt.  Dazu wurden noch die Beschriftung und Kantenbänder in blau angebracht.

Beim Riggern des Bootes stellte sich heraus, dass drei der Ausleger stark verbogen waren und dadurch der Dollenstift steil gegen den Wind stand.  Diese Reparatur kann von mir nicht durchgeführt werden, deshalb griff ich auf Kugelscheiben und Kegelpfannen zum Ausgleichen zurück.

Als Besonderheit kamen noch die zugewiesenen Concept2 Skulls an die Reihe.  Die verstellbaren Skull ließen sich nicht mehr verstellen und einer der Holme  nicht mehr fixieren.  Überraschung – eine Schraube abgedreht und alle Kreuzschlitze der Schrauben „ausgenudelt“!

Jetzt half nur noch die FLEX,  weg mit den Schraubenköpfen und Kunststoffunterlegern.  Etwas überrascht musste ich feststellen, dass dem Ruder mit dem losen Holm, die Concept2 Längenverstellung abgerochen worden war.  Dies lässt sich nur mit festen Schlägen auf den Innenhebel bewerkstelligen! Bei Sport-nach-Mass bestellte ich die Schrauben und Spanner nach.  Die Lieferzeit konnte aber nicht genau definiert werden, also ging ich erstmal selbst an die Sache ran.  Zuerst orderte ich beim meine Sohn Martin, der eine Lehre zum Schlosser absolviert, halbrunde Klemmteile in rostfreiem Stahl mit M5 Gewinde. Aus einem Aluminiumrohr und einer Kunststoffplatte fertigte ich mit Säge, Feile und Bohrer die Schraubenunterlagen für die Klemmteile an.

 Aus der Kunststoffplatte stanzte ich auch zwei 5mm Scheiben aus, welche mit Epoxyd mit den Holmen verklebt wurden.  So ist der Holm nun wieder fixierbar und die Längenverstellung der Ruder kann wieder vorgenommen werden.  

 

Beim Abschleifen der alten Farbe von den Ruderblättern kamen noch einige Beschädigungen an den Kanten zum Vorschein.  Diese wurden mit Epoxydharz und Additiv gespachtelt und sauber verschliffen.

Als Finish wurden die Holme noch mit der 3M Polierpasta aufbereitet und die Ruderblätter grundiert und in neutralem Weiß lackiert.

 

Zufriedene Jungfern(Test)fahrt im neuen Design am 18.05.2021 durch Robert und Sarah G.

 

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