Die Anfrage eines Ruderkollegens eines befreundeten Vereins wegen eines gebrochenen Schwerthauses erregte mein Interesse. Das Boot war den jugendlichen Ruderinnen aus der Hand geglitten, drehte sich und schlug mit dem Schwert und Rumpf am Boden auf. Nachdem ein paar Fotos gezeigt wurden, entschied ich mich das Boot in die Werkstatt bringen zu lassen. Das Boot wurde vor Weihnachten geliefert und trieb mir die Tränen in die Augen.
Neben dem eingebrochenen Schwerthaus inklusive eingebrochenen Rumpf, waren noch 20 Beschädigungen am Rumpf, der Bugspitz gebrochen und das Heck delaminiert, das Waschboard an einer Stelle offen, die Stemmbretter durchgetreten, die Druckstreben wie die Dollenstifte verbogen, die Rollsitze gebrochen und die Alu Stemmbrettschienen ausgekreidet. ==> Naja, eigentlich ein TOTALSCHADEN.
Aber was tut man nicht, wenn das Interesse geweckt ist. Erster Schritt, das Verdeck öffnen und den Schaden am Schwerthaus Max Schellenbacher zeigen. Von Max bekam ich die Reparaturtipps, wie man dieses Problem beheben kann. Dazu bot er an, anschließend ein neues Schwert zu montieren.
Und los ging’s! Erst mal alles raus aus dem Boot. Ausschleifen des beschädigten Rumpfes und stabilisieren des Schwerthauses mit Spreizen. Mit West System und Additiv 403 wurden der Rumpf gespachtelt, sodass dieser nach dem Aushärten auch ohne die Spreizen in Form blieb. Nun fertigte ich aus Plexiglas einen Platzhalter für das Schwert an und laminierte die Innenseite des Rumpfes mit Kohlefaser aus. Anschließend wurde das Schwerthaus mit Harz ausgegossen und das Ersatzschwert platziert. Kleine Lamellen wurden platziert, damit das Verdeck wieder geschlossen werden konnte. Schleif- und Spachtelarbeit verliehen dem Verdeck und Rumpf wieder die richtige Form.









Nun ging es auch den restlichen Beschädigungen an den Kragen. Schleifen – Kitten – Schleifen – Kitten – …. und bald waren alle Löcher am Rumpf wieder geschlossen. Weiter ging es mit den Luftkastendeckel, erst raus damit und dann die Löcher aufgefräst für die neuen Deckel.



Die Einstiege wiesen einige Beschädigungen auf und auch noch kein Schott auf. Also wieder einmal Kitten und Schleifen und dann fertigte ich aus 3 mm Schaumplatten, welche ich mit Carbon laminierte, Platten an welche als Schott eingepasst wurden. Wieder einmal kam West System und Additiv 403 plus schwarze Pigmente in einer 50 ml Spitze zum Einsatz. So konnte ich beim Übergang zum Rumpf einen schönen Abschluss herstellen.



Jetzt fertigte ich erstmals aus einer 4 mm Aluplatte Schablonen an. Stemmbrett, Fersenhalter, Schuhplatte, StrokeCoach T-Braket und Unterlegsplatten für die Ausleger.
Die Stemmbretter fertigte ich aus eine Mehrschichtplatte, beidseitig mit Carbon laminiert an. Über die Schablone wurde die Form gefräst und anschließend die Löcher gebohrt. Anschließend die Fersenhalter gebohrt und auf 45 Grad gebogen und von Max kamen die Schuhe mit den Platten. Aus einer 3 mm Kunststoffplatte wurden mit der Schablone die Unterleger für die Ausleger geschnitten und verbohrt. Dazu noch aus einer 2 mm Aluplatte ebenfalls mit der Schablone die StrokeCoach T-Brakets hergestellt. Aus dem 3D Drucker kamen die NK Halter dazu.






Die Ausleger wurden einstweilen zum Glaskugelstrahlen verbracht. Die Dollenstifte überschliffen, polliert, Gewinde nachgeschnitten und anschließen ausgerichtet. Neue Dollen wurden von Max Schellenbacher besorgt, ebenso wie die Alu Stemmbrettschienen, Schuhe, Rollschienen, Schienenkeile, Luftkastendeckel und zwei neue Carbonrollsitze.
Nachdem nun die Reparaturarbeiten abgeschlossen waren, ging der Lackierer meines Vertrauens ans Werk. Die Werkstatt wurde auf 20 Grad geheizt und mit einem 950 m2 Radiallüfter, 2 m2 Filtervlies, 4 Pollenfilter, einem DN 125 Kanalrohr, 4 Schwerlastrollen und einer 9 mm Mehrschichtplatte entstand noch eine Filter und Absauganlage für die Werkstatt.


Schleifarbeit im großen Stil stand nun am Programm. Das Boot wurde auf die bereits bewährte Bootswendevorrichtung montiert und dann in einem Arbeitsgang gefillert. Und natürlich kam dann wieder einmal Schleifen. Im nächsten Arbeitsgang wurde der Innenraum schwarz lackiert und die Grundfarbe „weiß“ an Rumpf und den Decks aufgebracht. Nach Abtrocknung die Decks angeschliffen und ein Muster geklebt. In leuchtendem Rot wurde das Muster lackiert und nach kurzem Antrocknen noch zum Schutz farblos überlackiert.



Nun kam ich wieder ins Spiel. Beim Einstieg ist ein Lackieren mit der Spritzpistole wegen der Abdeckungen nicht sauber möglich. Also wurde dieser Bereich mit Bootslack und Lasurpinsel händisch nachbearbeitet. Weiter ging es mit verbohren der Schienenkeile und montage der Rollschienen. Nun wurden die Luftkastendeckel angepasst, verbohrt, silikoniert und verschraubt. Kröpfen der NiRo Schrauben und anbringen der neuen Unterlegsplatten. Die Alu Stemmbrettschienen wurden wieder eingesetzt und die neuen Stemmbretter eingeschoben. Die Ausleger waren vom Strahlen zurück und wurden ebenfalls montiert. Das Boot wurde in 2 Achsen über Stützen auf 0 Grad ausgerichtet und die Dollen auf 160 cm Abstand ausgerichtet. Nach dem Einmessen der Dollenstifte wurden die neuen Dollen auf 16,5 cm Höhe gesetzt, die neuen Druckstreben abgelängt und verschraubt. Mit Karosseriezierbändern wurden die Stoßkanten abgedeckt und Bootsname und Herstellerlogo angebracht.



Von Max Schellenbacher wurde ein neues Schwert angefertigt, eingesetzt und ausgerichtet und zuletzt bekam das Boot noch neuen Carbon-Rollsitze verpasst.